Öffentliche Räume in der Brettener Vorstadt, Eppingen

Vormals geprägt durch eine starke Verkehrsbelastung und schleichende trading down Tendenzen konnte die Brettener Vorstadt durch Umfahrungsstraßen und ein dezentrales Parkierungskonzept entlastet werden. Im Entwicklungskonzept Innenstadt 2002 wurden mit der Bürgerschaft die Grundsteine für die Revitalisierung gelegt:

Die Eppinger Bürgerschaft hat nun einen zentralen Stadtraum zurückgewonnen: der Marktplatz am Rathaus, traditionell der Ort, an dem die unterschiedlichen Funktionen des städtischen Lebens zusammenkommen, seine besondere städtebauliche Bedeutung als Verknüpfungspunkt zwischen der frühmittelalterlichen Altstadt und der Stadterweiterung „Brettener Vorstadt“ nach 1500, gewachsene Wegebeziehungen und wichtige Sichtbeziehungen gingen durch die Flächeninanspruchnahme des ruhenden und fahrenden Verkehrs verloren.

Heute verbindet ein einheitlicher Stadtboden aus gelblichem Granit die Straßenräume und Plätze. Die Treppenanlage auf dem Marktplatz, das Holzpodest auf dem Ludwigsplatz, Sitzsteine, Spielinseln und verschiedene Brunnen fördern die Kommunikation und wirken als Anziehungspunkte. Stadtgrün und beleuchtete Details der historischen Gebäude sorgen für Atmosphäre.

Als Ergebnis der Gestaltungsmaßnahmen konnte die Attraktivität der Brettener Vorstadt als Wohn- und Einzelhandelsstandort gesteigert werden. Dies zeigt sich durch zahlreiche Sanierungen, Neubauten, neue Caféstandorte und Geschäfte.

Auftraggeberin:

Stadt Eppingen

Planungszeitraum:

2009 - 2018

Fläche:

ca. 14 ha

Zusammenarbeit:

Ingenieurbüro Wolfgang Bürkle, Göppingen

Auszeichnungen:

Beispielhaftes Bauen Landkreis und Stadt Heilbronn, 2010

Belobigung deutscher Städtebaupreis, 2014

Fotografien:

sofern nicht anders angegeben Roland Halbe

Urteil zur Belobigung, Sonderpreis //
Deutscher Städtebaupreis 2014

Wie viele Städte sah sich die mitten in einer landwirtschaftlich geprägten Landschaft liegende Stadt Eppingen Ende der 1990er Jahre mit dem Problem der Entleerung ihrer historischen Altstadt konfrontiert. Der Handel verlagerte sich nach außen, die Ämter waren über das gesamte Gemeindegebiet verstreut und die Bundesstrasse führte mitten durch die Kernstadt. Der S-Bahnanschluss an Karlsruhe sowie die bewusste Entscheidung des Gemeinderates, die Behörden wieder im erweiterten Rathaus zu konzentrieren, waren die Katalysatoren, die das Entstehen einer verkehrsberuhigten, lebenswerten Innenstadt ermöglichten.

Für die neuen Straßenquerschnitte der Brettener Straße und der Bahnhofstraße griffen die Planer auf vertraute, etablierte Typologien zurück, die jedoch mit großer Sorgfalt ausformuliert wurden. Fahrspuren, Parkfelder und Aufenthaltszonen wurden durch unterschiedliche Formate des einheitlich eingesetzten Natursteins zoniert.

Die beiden neu gestalteten Bereiche am Ludwigsplatz und Marktplatz überzeugen durch einen präzisen Einsatz der gestalterischen Mittel und den gekonnten Umgang mit der Topografie. Die neuen öffentlichen Räume der Brettener Vorstadt präsentieren sich heute als über den ganzen Tag und Abend von Jung und Alt belebte, stimmungsvolle Orte.

Beeindruckend ist das große Engagement auf unterschiedlichen Ebenen der Entscheidungsträger und Planer für »ihre« Stadt. Das Bekenntnis zur Kernstadt, die Investitionen in den öffentlichen Raum, die kluge Immobilienpolitik, durch die sich städtebauliche Qualität und Nutzungsmischung steuern lassen, sowie der Einbezug der Bevölkerung von der Information bis hin zu Werkstatt- und Einzelgesprächen zeugen von einem lobenswerten, liebevollen Umgang mit der gelebten Altstadt.

Weitere Planungen:

Entwicklungskonzept Innenstadt Eppingen, 2002 mit begleitender Bürgerbeteiligung

Strukturelles Gesamtkonzept Öffentliche Räume, 2006

Städtebauliche Beratungen, z.B. Investorenauswahlverfahren Ölgasse, Baldus-Areal, u.a.

Rahmenplan Brettener Vorstadt, 2010

Machbarkeitsstudie zur Rückverlagerung der Stadtverwaltung in das historische Rathaus mit Erweiterungsbau

Wettbewerbsbetreuung 2005, realisiert in 2 Bauabschnitten von 2006 – 2009,
Architekten Lederer, Ragnarsdottir, Oei, Stuttgart

Entwicklung eines strukturellen Gesamtkonzeptes für die Öffentlichen Räume mit Festlegung von Standards und Verkehrsraumtypologien, 2006

Initiativprojekt zur Attraktivierung der Öffentlichen Räume in der Brettener Vorstadt mit der Neugestaltung Marktplatz, 2009

Gestaltrahmenplan Brettener Vorstadt 2010, Leitlinien zur Gestaltung von Neubauten in historischem Kontext

Diskussion des Umbauprojektes Brettener Straße mit den Händlern der Geschäfte in der Straße, Gemeinderatsbeschluss zur Umsetzung der innerstädtischen Verkehrskonzeption 2010, Verlagerung des Verkehrs in die Wilhelmstraße im Jahr 2010