Hochhausverträglichkeitsgutachten, Erfurt

Im Jahre 2018 stehen an drei Standorten Hochhäuser unterschiedlicher städtebaulicher Konstellationen, Gestaltung und Höhe in der Diskussion.
Das Gutachten zur Verträglichkeit hoher Häuser in und am Rande der historischen Altstadt liefert Kriterien für die Bewertung der Verträglichkeit und stellt mögliche Auswirkungen hoher Häuser auf das Stadtbild nachvollziehbar dar.
Grundlage der Bewertung ist eine detaillierte Bestandsaufnahme und Analyse des Erfurter Stadtbildes.

Noch heute zeugen 27 Türme (Fixpunkte) als Einzeltürme, Turmpaare und Turmtrios von Rathaus, Kirchen und Bahnhof von einem historischen Stadtbild. Die Basis des Stadtbildes wird durch eine Quartiersbebauung relativ einheitlicher Höhenentwicklung von 15-20 m charakterisiert. (Sockelbebauung)
Die Silhouette der Stadt wird vom Domberg-Ensemble St. Marien und St. Severi mit der Zitadelle Petersburg überragt (Stadtkrone).

Die DDR-Moderne hat am Ost- und Südrand der historischen Stadt die großmaßstäbliche und verkehrsgerechte Entwicklung und Charakteristik von Großwohnsiedlungen in die historisch gewachsene Stadt implantiert.
Der Umgang mit den so entstandenen Störungen und Spannungen im Stadtbild ist zukünftig eine über das Stadtbild hinausgehende gesellschaftspolitische Aufgabe.
Die Topografie der Stadt in der Talaue der Gera erlaubt von mehr oder weniger sanft ansteigenden Höhen einen charakteristischen, nur flachen Blick über die Dächer der Stadt. Das Gutachten unterscheidet in ein äußeres und ein inneres Stadtbild.

Im äußeren Stadtbild der Silhouette der Stadt können Störungen sowohl im Vorder- wie auch im Hintersichtfeld entstehen.
Im inneren Stadtbild wird die Wirkung hoher Häuser in Straßen- und Platzräume hinein untersucht.
Neben der kriterienbezogenen Wertung der Auswirkungen hoher Häuser an 3 zur Diskussion stehenden Standorten wird jeder der potenziellen Standorte hoher Häuser in schematischen Visualisierungen von außen wie auch von innen in seinen räumlichen Auswirkungen veranschaulicht.
Das Gutachten wurde in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege, Thüringen, erarbeitet.
Mit den Ergebnissen des Gutachtens soll die Zielsetzung verfolgt werden, der Identität des Erfurter Stadtbildes und der Stadtsilhouette im Sinne der Wahrung des baukulturellen Erbes gerecht zu werden. Es kann viel verloren werden, aber es besteht auch die Chance zur Transformation. Neues sollte nur möglich sein, wenn sich dadurch ein Mehrwert für das Gemeinwohl erzielen lässt.

Auftraggeberin:

Stadt Erfurt

Planungszeitraum:

2018